Kistler Instrumente AG

Individuelle Lösungen mit Feingefühl

Druck, Kraft, Drehmoment und Beschleunigung – physikalische Messgrössen, die den bekanntesten Rennsport wie auch das Unternehmen charakterisieren, mit dessen Sensoren auch in die Formel-1-Boliden eingebaut sind. Das Schweizer Familienunternehmen Kistler Instrumente AG steht seit 1959 für hochpräzise Sensoren und Messsysteme. Genauso dynamisch wie Formel-1-Rennen sind, so präsentiert sich auch das Umfeld, in dem sich die Kistler Gruppe bewegt. Im Sitzungszimmer reihen sich die Awards: Top-Job-Siegel, ASCO-Award und der Stellenschafferpreis sind nur einige Beispiele.

Nicht verwunderlich, dass eine Firma, die bereits mehrmals mit dem Stellenschafferpreis der Region Winterthur ausgezeichnet wurde, die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dadurch wurde Iris Stanger, Personalbereichsleiterin, erstmals aufmerksam auf die Möglichkeit von Arbeitsversuchen. Zu Beginn dominierte die Skepsis, doch schnell wurden die Bedenken aus dem Weg geräumt – auch aus betrieblichen Bedarfsgründen: Sie hatten offene Stellen, diese galt es zu besetzen: «Der wirtschaftliche Gedanke leitet uns, nicht der soziale. Die Arbeitsversuche finden im normalen Stellenrekrutierungsprozess statt», legt Iris Stanger die primären Beweggründe offen. Ob die Bewerbungskandidatinnen und -kandidaten ein Handicap haben, spiele keine Rolle, wichtig sei in erster Linie die Qualifikation.

Integration verankert im Gesundheitsmanagement

Wie führe ich ein Bewerbungsgespräch mit jemandem, der taub ist? Wie kommen wir in ein Sitzungszimmer mit einem Bewerbungskandidaten, der im Rollstuhl sitzt? Wie schaffen wir es, jemanden, der lange Zeit nicht erwerbstätig sein konnte, wieder in das Arbeitsleben zu integrieren? Iris Stanger hat durch den Kontakt mit handicapierten Menschen in den letzten Jahren viel dazugelernt. «Die gewonnene Erfahrung hilft uns, bei Krankheit im Unternehmen entsprechend reagieren zu können. Wir möchten uns ein Netzwerk aufbauen, auf das wir bei Bedarf rasch zurückgreifen können», erklärt Iris Stanger ihre Idee.

Seit 2014 fanden bei Kistler bereits mehrere Arbeitsversuche statt, seit 2016 sind sie fester Bestandteil im betrieblichen Gesundheitsmanagement. «Die Integration ist dabei nur ein Mosaiksteinchen. Es ist wichtig, dass sich ein Unternehmen allen Bewerberinnen und Bewerbern gegenüber offen verhält. Schliesslich kann es jeden treffen, deshalb braucht es Arbeitgeber, die das mittragen», ist Yves Birchmeier, Chief HR Officer, überzeugt.

Diverse Arbeitsbereiche vorhanden

Elf beeinträchtigte Menschen erhielten bisher eine Festanstellung bei Kistler, einige nach Direktbewerbungen, andere durch die Unterstützung externer Stellen. Die Arbeitsversuche seien eine gute Chance, wieder im Erwerbsleben Fuss zu

fassen. «Auch wenn nach einem Arbeitsversuch keine weitere Anstellung bei uns möglich ist, kann uns dieser ehemalige Mitarbeitende als Referenz angeben, damit der Einstieg anderswo leichter fällt. Bisher haben wir aber nur jemanden nicht weiter beschäftigen können», erzählt Iris Stanger von ihren Erfahrungen. Der Betreuungsaufwand bei den Vorgesetzten sei sicher etwas höher, räumt Iris Stanger ein, aber das heisse nicht, dass die Angestellten mit einer Beeinträchtigung sich in einem geschützten Rahmen bewegen würden. Klar nehme man Rücksicht, doch die Leistungsanforderungen blieben stets die gleichen.

Das Tragen einer Schutzbrille ist in der Metall- und Kristallbearbeitung Pflicht. Die Maschinen laufen auf Hochtouren. In der Montage ist es ruhig. Konzentriert baut eine Mitarbeiterin in feinster Präzisionsarbeit Sensoren zusammen. Die Produkte sind sorgfältig für den Transport verpackt. Karton um Karton, die mit dem Kistler-Logo versehen sind, stehen in der Spedition zum Versand an die Kundschaft bereit. «Wir haben eine breite Palette an Arbeitsmöglichkeiten – vom Lager hin bis zur Spedition», erklärt Yves Birchmeier den Grund, weshalb es ihnen als grosses Unternehmen leichter falle, Arbeitsversuche zu ermöglichen.

Individuelle Massnahmen

Jetzt ist es kein Problem mehr, mit dem Rollstuhl alle Sitzungszimmer zu erreichen. Mit der Anstellung eines Ingenieurs im Rollstuhl wurden Umbaumassnahmen vorgenommen. Er durfte seine Bedürfnisse benennen und entsprechende Änderungsvorschläge einbringen. «Er wusste am besten, was er braucht. Da war es nur naheliegend, ihn in den Umbauprozess zu involvieren», sagt Yves Birchmeier. Die einmalige Investition habe sich gelohnt, sie hätten einen qualifizierten Mitarbeiter gewonnen und das Gebäude sei nun rollstuhlgerecht.

Für Kistler ist es wichtig, ihren Mitarbeitenden Wertschätzung entgegenzubringen und sie in schwierigen Situationen zu unterstützen. Erkrankte Mitarbeitende zu behalten sei genauso zentral, wie handicapierten Bewerberinnen und Bewerbern eine Chance zu geben. Bei erhöhter Arbeitslast wird durch den Einsatz temporärer Mitarbeitender Unterstützung angeboten oder das Pensum reduziert, damit die Mitarbeitenden wieder ihre Balance finden können. «Wir hatten bereits Burnout-Fälle bei Kistler. Es ist uns ein Anliegen, dass die Betroffenen im Erwerbsleben bleiben, wenn auch nur in einem 20-Prozent-Pensum», sagt Iris Stanger mit Nachdruck.

Prävention wird denn auch grossgeschrieben bei Kistler. Neben dem umfassenden Absenzenmanagement sollen Impulsreferate zur Ernährung, zu Stress am Arbeitsplatz und Gesundheitsschutz die Mitarbeitenden sensibilisieren.

Die drei Fahnen mit Kistler-Logo wehen im Wind vor dem Haupteingang. Ähnlich der schwarz-weiss-karierten Flagge, die den Start an Formel-1-Rennen signalisiert.

www.kistler.com

Anzahl Mitarbeitende: 650

Anzahl Neueinstellungen: 7

2017: Mann, Ingenieur, beginnt im März nach einem Burnout einen Arbeitsversuch bei Kistler.

2016: Mann, Ingenieur, im Rollstuhl. Anstellung nach Direktbewerbung.

Mann mit Hörbehinderung. Anstellung nach Direktbewerbung.

Lernender, Anstellung mit der Unterstützung der SVA Zürich.

Mann, angestellt nach Langzeitarbeitslosigkeit. Vermittlung durch das aoz Workcenter.

2015: Mann mit körperlicher Beeinträchtigung, hat Anlehre gemacht bei der IWAZ in Wetzikon. Anstellung nach Direktbewerbung.

Mann, angestellt nach Langzeitarbeitslosigkeit in Zusammenarbeit mit der Arbeitsintegration Stadt Winterthur.

Mann mit psychischen Problemen, war IV-Rentner bis zur Lehre. Angestellt nach Direktbewerbung.

Ein Mann mit psychischen Problemen konnte nach einem Arbeitsversuch nicht angestellt werden.

Die weiteren Nominierten