Bösch-Gärten GmbH

Wurzeln geschlagen im Gartenbau

Leichter Nieselregen fällt diesen Nachmittag in Neerach. Im grossen Garten einer Kundin stehend, instruiert Patrick Bösch, Inhaber der Bösch-Gärten GmbH, seinen Mitarbeiter Manuel über die heutigen Arbeiten: «Bitte füll das Beet auf, der Mulch ist gleich hier im Anhänger. Danach können wir noch die Sträucher beim Teich zurückschneiden». Manuel hievt sich mit einem geübten Ruck auf den Anhänger, füllt eine grosse Kiste mit Mulch und trägt sie zum Beet. Seit rund drei Jahren arbeitet Manuel nun bei Patrick Bösch, der ihn nach einer zweijährigen Anlehre bei sich fest als Gärtner anstellte.

Davor arbeitete Manuel als Träger auf dem Bau. Leicht hatte Manuel es nicht in diesem Umfeld. «Als mir sein Bruder, ein Kollege von mir, über die schlimmen Arbeitsbedingungen von Manuel erzählt hat, war mir klar, dass ich helfen muss», blickt Patrick Bösch auf das Kennenlernen zurück. Anfangs noch sehr schüchtern, blühte Manuel nach der Schnupperlehre auf. Als er das Angebot von Patrick Bösch erhielt, zu gleichem Lohn wie auf dem Bau eine Anlehre als Gärtner zu absolvieren, zögerte er nicht. Patrick Bösch wusste da bereits, dass herausfordernde Zeiten auf sie zukommen werden.

Lohn intensiver Jahre

Systematisch arbeitet sich Manuel durch das Beet, von links nach rechts. Schweissperlen glänzen auf seiner Stirn, die wärmende Jacke hat er bereits ausgezogen. Die Gartenarbeiten verlangen vollen Körpereinsatz. «Er hat viel gelernt in den letzten Jahren und arbeitet schon viel selbständiger», erzählt Patrick Bösch sichtlich stolz. Ausfüllen von Arbeitsrapporten, Ausrechnen von Arbeitszeiten, Kundinnen und Kunden «Grüezi» sagen und die Hand schütteln – die ersten Monate der Anlehre waren intensiv für den 29-jährigen Manuel, der eine starke Lern- und Hörschwäche hat. Jahrelang wurde er kaum zum Mitdenken animiert, viele Aufgaben und Entscheidungen wurden ihm abgenommen. «Es braucht Energie und Geduld von uns, ja, aber er kann lernen und sein Wissen erweitern», weiss Patrick Bösch aus Erfahrung. Zwei Jahre lang hat Patrick Bösch die Anlehre von Manuel begleitet und ihn in den Gartenbau eingeführt. In den ersten drei Monaten hat Patrick Bösch jeden Abend zusammen mit Manuel das Ausfüllen der Arbeitsrapporte geübt. Damit er die für den Gartenbau notwendigen Rechenaufgaben meistern konnte, erhielt er während der Arbeitszeit Mathenachhilfe. Integration bedeutet für Patrick Bösch, jemandem die Selbständigkeit zu ermöglichen. Von Anfang an war beispielsweise klar, dass Manuel sich alleine zu den Kundinnen und Kunden begeben können muss. Voraussetzung dafür war der Fahrausweis. Manuel hat lange geübt, auch zusammen mit Patrick Bösch. Die Mühen haben sich gelohnt, er bestand die Fahrprüfung beim ersten Anlauf.  

Solch eine intensive Betreuung ist nur möglich mit einem Team, das geschlossen hinter dem Engagement steht. Das Integrationsengagement ist für Patrick Bösch keine Frage des Managementsystems, sondern Ausdruck persönlichen Engagements. Die Bösch-Gärten sind ein Kleinstbetrieb, fünf Gärtner im Ausseneinsatz und zwei Frauen im Backoffice. Mit der Betreuung einer Person sind die Ressourcen ausgeschöpft. Patrick Bösch selbst ist den grössten Teil seiner Arbeitszeit draussen. Gearbeitet wird oft zu zweit oder zu dritt, ohne das Verständnis von allen Angestellten, wäre die Integration von Manuel nicht gelungen, betont Patrick Bösch: «Es war nicht immer einfach. Ich hatte auch schon die Situation, dass einer meiner Mitarbeiter nicht mehr mit Manuel zusammenarbeiten wollte». Durch ausführlichen Team-Gespräche, wuchs das gegenseitige Verständnis. Wichtig sei, dass wenn immer der Schuh irgendwo drücke, offen darüber kommuniziert werde.  

Selbständigkeit im Job

«Patrick, es hat geklöpft gestern beim Abgastest», ruft Johann Jucker, Geschäftsführer der Wagenschmitte, Patrick Bösch zu, «das Öl war überall. wir müssen prüfen, wie wir euer Geschäftsauto wieder auf Vordermann bringen». In Neerach kennt man sich. Das Geschäftsauto, das Patrick Bösch für Manuel besorgt hat, ist gerade in der Werkstatt. Alleine zu den Kundinnen und Kunden zu fahren ist für Manuel selbstverständlich geworden. Patrick Bösch beschloss, seine Kundschaft nicht im Voraus über das Handicap von Manuel zu informieren, um Voreingenommenheiten zu vermeiden. Die meisten Kundinnen und Kunden reagieren positiv auf Manuel und schätzen das Engagement von Patrick Bösch und seinem Team.  

Damit Manuel nach seiner Lehre 100 Prozent bei Bösch-Gärten bleiben konnte, kümmerte sich Patrick Bösch um die Akquisition neuer Geschäftsbereiche. Wenn Manuel nun von «seinen Liegenschaften» redet, die er als Hauswart betreut, spürt Patrick Bösch dessen Stolz auf die erreichte Selbstständigkeit.

Mit Zuversicht weiter

Manuel schneidet konzentriert die vom Winter mitgenommenen Stauden am Teich zurück. Die Entwicklung, die er seit dem ersten Schnuppertag gemacht hat, erfüllt Patrick Bösch mit Zufriedenheit. Zu sehen, wie jemand von Tag zu Tag selbständiger werde, gebe ihm Genugtuung. Noch bezieht Manuel eine ¼-IV-Rente. Das gemeinsame Ziel ist aber, seine Selbständigkeit so weit zu steigern, dass eine Lohnerhöhung folgen kann und keine Rente mehr nötig ist. Patrick Bösch räumt ein, dass sie auch Rückschläge verkraften müssen: «Wir sind gerade an einem Punkt, wo wir Hilfe annehmen müssen. Wir sind dankbar, dass wir so rasch die Unterstützung einer Eingliederungsberaterin und Job Coach der SVA Zürich erhielten». Alle sind zuversichtlich, dass sie gemeinsam die Herausforderung meistern werden.

Der Nieselregen hat mittlerweile aufgehört. Manuel zeigt der Kundin das Resultat seiner heutigen Arbeit. Sie blickt zufrieden, unterschreibt den ausgefüllten Arbeitsrapport und gibt Manuel die Hand zum Abschied.

Die weiteren Nominierten