Speckert+Klein AG

Integration mit Nachdruck

3. Stock, gelbes Türschild mit Stempellogo – willkommen bei der Speckert+Klein AG. «Normalerweise trägt er einen Anzug, nicht ich», lacht Daniel Hüppin, Geschäftsführer bei Speckert+Klein, und klopft Burim auf die Schulter. Heute hat der Verkäufer keinen Aussendienst. Der Empfang bei der Stempelproduzentin Speckert+Klein wirkt freundlich. An der Wand sind einzelne Produkte ausgestellt. Von bunten Stempelkissen, Datumsstempeln bis hin zu speziellen Vintage-Stempeln finden die Kundinnen und Kunden eine umfangreiche Produktepalette.

Burim ist die erste Person, die bei Speckert+Klein einen beruflichen Neuanfang schaffte. Der gelernte Autolackierer musste sich aufgrund eines schweren Unfalls neu orientieren. Die offene Stelle in der Satzabteilung sprach ihn sofort an. Er wurde angestellt, jedoch nicht in der Gestaltung, sondern als Allrounder in der Administration und im Telefondienst. In der Probezeit erfolgte dann die Kündigung, da der Druck und die Leistungsanforderung für Burim zu hoch waren. Daniel Hüppin wusste da noch nichts über die Hintergründe von Burims Beeinträchtigungen. Mit dem Einverständnis von Burim informierte die Eingliederungsberaterin der SVA Zürich den Geschäftsführer über die Situation, woraufhin Daniel Hüppin ihm eine zweite Chance gab. Sie vereinbarten einen sechsmonatigen Arbeitsversuch ohne Kosten und Risiko für das Unternehmen. Das war der erste Arbeitsversuch, bei Speckert+Klein, fünf weitere sollten noch folgen.

Lohnende soziale Verantwortung

In der Satzabteilung werden die eingegangenen Bestellungen verarbeitet und für die zu bedruckende Gummiplatte formatiert. Es muss schnell gehen, innerhalb von wenigen Tagen erhalten die Kundinnen und Kunden ihren personalisierten Stempel.

Burim erhielt 2013 eine Festanstellung. Den Neustart konnte er in der Satzabteilung machen, das strukturierte Arbeiten erleichterte ihm den beruflichen Einstieg. Heute arbeitet er als Verkäufer und die freundschaftliche Verbundenheit zwischen ihm und Daniel Hüppin ist sichtlich bemerkbar. „Schon beim ersten Kennenlernen spürte ich, dass Burim ein geborener Verkäufer ist. Seine offene Art kommt bei vielen gut an“, erinnert sich Daniel Hüppin. Diese erste erfolgreiche Integration gab dem Geschäftsführer die Sicherheit, dass Arbeitsversuche sich auch wirtschaftlich auszahlen. «Ich schreibe die offenen Stellen bei uns gar nicht mehr aus, ich melde sie immer zuerst der IV-Stelle», sagt Daniel Hüppin. Diese Rekrutierungsstrategie zahle sich aus für ihn als Geschäftsführer, da die Kosten ein halbes Jahr lang von der IV übernommen würden. Beim Vorstellungsgespräch merke er, ob die Person ins Team passe oder nicht. Bei einem schlechten Bauchgefühl verzichte er auf einen Arbeitsversuch, da das Ziel es sei, die offene Stelle zu besetzen. Allerdings stecke hinter der Integration immer ein Einzelschicksal, das eine Chance verdient habe. «Unser Engagement ist Ausdruck sozialer Verantwortung. Wir erkennen aber klar auch wirtschaftliche Vorteile», fasst Daniel Hüppin die beiden Motivdimensionen seines Engagements zusammen.  

Fortschritte bestätigen Engagement

Nicht alle Eingliederungen verliefen einfach. Psychische Erkrankungen stellen für das Arbeitsumfeld andere Herausforderungen dar. In der Montage wurde 2015 mit einem Mann mit sozialer Phobie ein Arbeitsversuch durchgeführt Danach wurde er eingestellt, doch er brauche viel Verständnis und Unterstützung von seiner Vorgesetzten und dem Team. «Mittlerweile schafft er es, an Teamsitzungen teilzunehmen, was am Anfang nicht ging», beschreibt Daniel Hüppin die Fortschritte. Im Wissen um die Schwierigkeiten bei der Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen starteten sie 2016 einen weiteren Arbeitsversuch mit einem jungen Mann mit sozialer Phobie. Die Arbeiten im Büro und in der Montage erledigte er sehr zufriedenstellend. Schwierig waren die Ausfälle, die nicht kommunizierten krankheitsbedingten Abwesenheiten und die unbeantworteten Telefonanrufe. «Wir haben viele Gespräche geführt, auch den Arbeitsversuch verlängert. Genau an dem Tag, als wir ihm eine Festanstellung anbieten wollten, kam er leider wieder nicht zur Arbeit», sagt Daniel Hüppin sichtlich betrübt. Auch diese Erfahrung entmutigte den Geschäftsführer nicht: «Wenn wir die Entwicklung der Mitarbeitenden beobachten, bestätigt es sich, dass sich das Engagement lohnt. Sie werden offener, manche schneller, andere brauchen mehr Zeit. Sie schätzen die Unterstützung, die sie erhalten, kennen aber auch ihre Grenzen und kommunizieren diese offen».

Wichtige Sensibilisierung

Über die Beeinträchtigungen der angestellten Personen wird im Team offen kommuniziert. Nur so könne das Verständnis im Unternehmen gesteigert werden. Zu sehen, dass es Menschen gibt, die manchmal etwas mehr Unterstützung brauchen, könne zur Sensibilisierung beitragen. Der Rückhalt im Team ist vorhanden, auch wenn Rücksichtnahme nicht immer einfach sei. «Die Integration von Menschen mit verschiedensten Beeinträchtigungen ist anspruchsvoll und herausfordernd, doch es ist eine Bereicherung für uns alle. Ich kann es anderen Unternehmen nur weiterempfehlen, wir haben motivierte und treue Mitarbeitende erhalten», ist Daniel Hüppin überzeugt.  

Die Maschine in der Produktion läuft. Hin und her bewegt sich die Laserspitze und entfernt die nicht zu bedruckenden Stellen. Zurück bleiben Buchstaben im Gummi. Mehr als vierzig Adressen werden auf diese Weise auf die etwa A4-grosse Gummitextplatte gelasert und mit einem Trennrand rund um den Adressblock versehen. Zurück am Arbeitsplatz, werden die Textblöcke aus der Gummiplatte gedrückt. Gekonnt wird mit einer Pinzette vorsichtig die Gummiplatte in den Stempelfuss gedrückt. Letzte Prüfung, stimmt alles, wird es versandbereit abgepackt.

www.speckertklein.ch

Anzahl Mitarbeitende: 26

Anzahl Neueinstellungen: 6


2017: Frau mit psychischen Problemen. Festangestellt ohne Arbeitsversuch in Montage.

2016: Frau mit psychischer Erkrankung. Nach Arbeitsversuch eine 50-Prozent-Anstellung im Büro.

Frau mit Rückenproblemen. Nach Arbeitsversuch festangestellt im Büro. Derzeit arbeitet sie in einem 50-Prozent-Pensum, da sie an Brustkebs erkrankt ist.

Mann mit sozialer Phobie, Arbeitsversuch in der Montage. Keine Festanstellung aufgrund krankheitsbedingter Ausfälle.

2015: Mann mit sozialer Phobie. Angestellt in Montage nach einem Arbeitsversuch.

2014: Frau, nach Unfall mit Schädelhirntrauma. Nach Arbeitsversuch 40 Prozent angestellt im Büro.

2013: Mann, nach Unfall mit Schädelhirntrauma.

Nach Arbeitsversuch Festanstellung in der Satzabteilung. Heute arbeitet er als Verkäufer im Aussendienst.

Die weiteren Preisträger