Keller Recycling AG

«Aufwand ja, aber eine gute Arbeitsleistung kommt zurück.»

Die Kel­ler Recy­cling AG beschäftigt seit ihrer Gründung vor über 50 Jah­ren Men­schen mit Beeinträchtigungen. Sechs von 25 Mit­ar­bei­ten­den haben eine gesundheitliche Einschränkung. Die Kel­ler Recy­cling AG hat 2013 den Nach­hal­tig­keits­preis der ZKB für ökologische Nach­hal­tig­keit erhal­ten. Mit dem This-Priis wird das Unter­neh­men für seine soziale Nach­hal­tig­keit aus­ge­zeich­net.

Nico Schneider fährt seit zehn Jahren auf dem Kehrichtwagen mit, als Belader. Nico Schneider ist Autist. Der Job als Belader passt perfekt zu ihm. Kein Stress, immer gleiche Touren, gleiche Tätigkeiten, stets zur gleichen Zeit. Schon Joel Kellers Grossvater, der die Firma gründete, beschäftigte einen Autisten als Belader. Wie man es damals eben tat: Man gab einem jungen Mann aus dem Dorf einen einfachen Job, weil er sonst keinen fand. «So fing die Geschichte der Integration von Menschen mit einer Beeinträchtigung an», sagt Joel Keller, Mitinhaber und Geschäftsleiter der Keller Recycling AG.

Gewinn für alle
«Der Kehrichttransport hat sich zu einem Verdrängungsmarkt entwickelt, bei dem wir als kleiner Betrieb nur schwer mithalten könnten», erklärt Joel Keller. Also bauten die Brüder das Konzept der Sammelstelle aus und perfektionierten Betrieb und Abläufe.

Bei den Sammelstellen werden die Wertstoffe so verarbeitet, dass sie direkt an den Endrecycler geliefert werden können. «Wir nehmen entgegen, trennen, pressen, verladen auf Bahn oder Lastwagen.» Für diese Arbeiten wird das Unternehmen durch die vorgezogene Entsorgungsgebühr auf verschiedenen Wertstoffen und durch den Abnahmepreis entschädigt, den der Endrecycler bezahlt. Trennen ist deshalb essentiell, denn davon hängt der Abnahmepreis ab. Liefert der Betrieb ein Gemisch aus Aludosen und Blechbüchsen an den Endrecycler, so fällt der Abnahmepreis tiefer aus, weil der Endrecyler die Metalle selber – maschinell – trennen muss.

Daniel Blickensdorfer, auch er Autist mit Asperger-Syndrom arbeitet seit bald drei Jahren im Betrieb. «Wir sind dafür da, dass alles einigermassen richtig gemacht wird. Plastikdeckel von Metalldeckeln trennen zum Beispiel, sonst gibt es Abzüge.» Und hier, bei diesen Abzügen, sagt Joel Keller, liege gerade die Möglichkeit, Stellen neu zu schaffen. «Lassen wir die Abfälle durch einen Mitarbeiter mit einer Beeinträchtigung von Hand trennen, erzielen wir einen höheren Abnahmepreis, und mit diesem höheren Erlös können wir den Mitarbeiter bezahlen.» Oder am Beispiel der Sammelstelle in Rapperswil-Jona: «Die könnte eine Person allein managen. Doch wir wollen den Kunden einen Service bieten, indem wir den Abfall entgegennehmen und sortieren. Dadurch gewinnen wir auch Kunden. Und wir können vor der Sortiermaschine eine Stelle schaffen, die dem beeinträchtigten Mitarbeiter einen Lohn von 800 Franken bringt.»

Direktheit, Ehrlichkeit, Menschlichkeit
«Der Betreuungsaufwand für Mitarbeiter mit einer Beeinträchtigung ist jeweils in den ersten Monaten eine Herausforderung, bis sie vom Team akzeptiert sind und sich eingelebt haben», sagt Joel Keller. Er plant zehn bis 20 Prozent seines Arbeitspensums für die Betreuung ein. «Man muss sich des Aufwands bewusst sein und sich bewusst dafür entscheiden.» Dafür bekomme man eine gute Arbeitsleistung zurück, stellt er fest. Arbeit gebe es genug in den Werkhöfen, und auch immer etwas zu optimieren.

Soziale Kompetenz gehört zum Stellenprofil der Keller Recycling AG. Willy Kuster, Werkhofmitarbeiter, Chauffeur auf der Kehrichttour, ursprünglich Maurer und seit sechs Jahren im Betrieb, erinnert sich an seine Anstellung: «Man suchte bei Keller jemanden, der es mit Leuten mit einer Beeinträchtigung gut kann, jemanden mit empathischen Fähigkeiten.» Er wusste, dass er diese hatte, schon seit seiner Schulzeit, als er jenen half, die mit Benachteiligungen zu kämpfen hatten. Bei seinen Kollegen mit Beeinträchtigungen findet er Eigenschaften, die er bei anderen manchmal vergebens sucht: Direktheit, Ehrlichkeit, Menschlichkeit. Effizienz sei nicht ihre Stärke, aber wenn man sie führe, sei die Zusammenarbeit wunderbar. «Das ist im Alltag keine Last, sondern eine Bereicherung.» Bei der Keller Recycling AG ist er, wie er sagt, an der richtigen Stelle. «Ich könnte mir vorstellen, hier bis zur Pension zu bleiben.» Zusammen mit Nico Schneider, dem Belader, dem die Keller Recycling AG eine lebenslange Anstellung versprochen hat.

www.keller-recycling.ch

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