Ernst Meier AG, Gartenbau-Center

«Sie haben commitment und eine optimistische Haltung»

Die Ernst Meier AG in Dürnten ist ein Fami­li­en­be­trieb in der vier­ten Gene­ra­tion. Als Samen­hand­lung in Tann gegründet, ist er heute eines der grössten Gar­ten-Cen­ter sei­ner Art in der Schweiz. Von den 180 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern leben 15 mit einer Behin­de­rung, acht von ihnen in der Pro­duk­tion.

Ruedi Oertly, in der grünen Arbeitskleidung der Ernst Meier AG, schiebt eine gelbe Maschine vor sich her, eine Art Staubsauger, der das braune Laub aufnimmt: «Ich mache hier Ordnung. Es wird geschätzt, dass ich immer sauber mache.» Sein Beitrag zum Wohlergehen des Unternehmens sei gewissermassen der Dreh- und Angelpunkt des Betriebs und er dessen fröhliche Seele, sagt Bettina Walser-Meier, Mitinhaberin des Garten-Center Ernst Meier AG in Dürnten.

Familienbetrieb in der vierten Generation

An die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind höchste Anforderungen gestellt, umso mehr, als das Garten-Center starkt saisonal geprägt ist. «Wir können dann die Kolleginnen und Kollegen mit einem Handicap nicht schonen», sagt Bettina Walser. Trotz alledem – die acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer Beeinträchtigung halten das Tempo mit, betreut durch ihre direk­ten Vor­ge­setz­ten, geschützt in einem mit­tra­gen­den Team.

Das Team von Brigitte Hediger, Bereichsleiterin für mehrjährige Pflanzen, umfasst neun Mitarbeitende, vier davon sind ausgebildete Gärtnerinnen. «Drei Mitarbeitende haben eine Beeinträchtigung, jeder arbeitet mit einer Gärtnerin zusammen», sagt Brigitte Hediger, «auf diese Weise bleibt niemand sich selbst überlassen.»

Den Traumberuf verwirklicht

Karin Furrer erlitt als Jugendliche einen Unfall mit schweren Hirnverletzungen. In der Stiftung Brunegg in Hombrechtikon konnte sie trotzdem ihren Traum verwirklichen und eine Lehre als Zierpflanzengärtnerin absolvieren. Seit Februar 2014 ist sie in der Gärtnerei der Ernst Meier AG angestellt. Sie macht Fortschritte, nicht mehr in so grosse wie zu Beginn – aber trotzdem. «Sie ist sensationell, hat sich extrem gut im Team eingelebt und sehr viel gelernt», sagt Brigitte Hediger.

An neuen Betreuungsmodellen tüfteln

Als Bettina Walser und ihr Bruder den Betrieb übernahmen, sahen sie sich vor ein neues Problem gestellt: Manche der langjährigen Mitarbeiter kommen ins Rentenalter. Die meisten Menschen mit einer Beeinträchtigung können nicht bis 65 arbeiten. Trotzdem möchten sie im Betrieb bleiben, denn hier ist ihre Familie. Damit diese älteren Mitarbeiter in den Tagesstrukturen bleiben und nicht vereinsamen, versucht Bettina Walser, sie in eine soziale Institution zu vermitteln, wo sie in geschütztem Rahmen leichtere Arbeit ausführen können. Die Woche wird aufgeteilt, zum Beispiel in drei Tage bei der Ernst Meier AG, wo sich die Mitarbeiter nach ihrem langen Arbeitsleben familiär aufgehoben fühlen, und zwei Tage im geschützten Rahmen. Damit bleiben sie beschäftigt und im Kontakt mit der Firma, die sie betreut. Gleichzeitig wird so der Übergang in die Zeit nach der Arbeitstätigkeit vorbereitet: Die älteren beeinträchtigen Mitarbeiter leben sich in der Institution ein und können, wenn sie einmal in Pension gehen, dort allenfalls betreut wohnen. «Es geht darum, die zehn Jahre zwischen 50 und 60 so zu gestalten, dass diese Menschen bis zum Pensionsalter und drüber hinaus nicht durch die Maschen fallen», sagt Bettina Walser.

Seit  Bettina Walser zusammen mit ihrem Bruder den Betrieb führt, ist ihr Verständnis für Menschen mit einer Beeinträchtigung gewachsen, durch eine persönliche Verbindung zum Werkheim Uster auch ihr Know-how und ihr Engagement. Zusammen mit dem Werkheim Uster tüftelt die Firma Meier an einem Projekt, welches die beiden Betriebe zusammenbringen könnte. Erster konkreter Schritt: Ein Arbeitsagoge des Werkheims kommt im Februar nächsten Jahres ins Garten-Center und prüft, wo passende Arbeiten für Menschen mit einer Beeinträchtigung tatsächlich vorhanden sind. Es ist jedoch noch offen, wie sich ein solches Projekt finanzieren liesse.

www.meier-ag.ch

Die weiteren Preisträger