sawi Mess- und Regeltechnik AG

«Glücksfall für den Betrieb.»

Für alle Mitarbeitenden, die ein Handicap haben, fand die sawi massgeschneiderte Lösungen. Das ganze Team weiss über die besondere Situation Bescheid. André Schäppi, Inhaber der sawi und Geschäftsführer: «Wir sind so etwas wie eine Familie. Von unseren 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kennt jeder jeden, und alle leben mit dem Gefühl: Wir sitzen im gleichen Boot.»

1996 kam Fabian Büchli als Mechaniker zu sawi. Zwölf Jahre später, gerade war seine Tochter geboren, wurde bei ihm ein Hirntumor diagnostiziert. Nach der Operation konnte er nur noch zu 20, später zu 50 Prozent arbeiten (heute bekommt er eine 40 Prozent-IV-Rente dazu). sawi hielt ihm nicht nur seine Stelle frei, sondern zahlte ihm während der Rekonvaleszenz 80 Prozent des Lohns und passte die Arbeit seinen eingeschränkten Möglichkeiten an. Weil er schnell ermüdet, muss er häufig Pausen einlegen können.

Gefragte Handarbeit
Die sawi Mess- und Regeltechnik AG ist heute ausschliesslich auf Temperatursensoren spezialisiert. «Temperatursensoren kommen überall dort zum Einsatz, wo Temperatur als Grösse genommen wird, um einen Prozess zu steuern», erklärt André Schäppi. Also in Heizungen aller Art, im Kühlschrank, im Auto, in Gasturbinen, bei der Schokoladeherstellung... «Wir stellen die Sensoren im Betrieb her und montieren sie mit Drehteilen von Zulieferfirmen zusammen», sagt André Schäppi. Die Serien von 20 bis 100 Stück sind zu klein für eine industrielle Fertigung. Deshalb ist Handarbeit Trumpf bei der sawi. Handarbeit wiederum können viele Menschen mit einem Handicap hervorragend leisten, sofern die Arbeit selbst und der Arbeitsplatz ihren Möglichkeiten angepasst sind.

Individuell eingerichteter Arbeitsplatz
Claudia Hartmann kam vor drei Jahren zu sawi. Sie leidet an einer Störung des Immunsystems, einem Herzklappenfehler, ausserdem hat sie eine Sehschwäche. «Sie ist ein Glücksfall für den Betrieb», sagt André Schäppi. Lange Jahre arbeitslos, hielt sie sich mit ehrenamtlichen Tätigkeiten und RAV-Programmen für den Arbeitsmarkt fit. Nun arbeitet sie bei sawi in der Qualitätssicherung. Sie prüft die Temperturangabe der Sensoren mit einer Prüfzange und liest das Resultat am Bildschirm ab. Dafür wurde eine Software speziell für sie geschrieben. Grüner Ball: alles ok. Roter Ball: «da kommt es auf verschiedene Kombinationen an», sagt Claudia Hartmann, auf Toleranzen, die sie interpretieren muss. Sie fühlt sich aufgehoben im Team, nach der langen Arbeitslosigkeit als Arbeitskraft und Mensch akzeptiert und willkommen geheissen.

Stellen schaffen für die Integration
Walter Ganz hatte sieben Jahre lang im Unterhalt von Schwimmbädern gearbeitet, dann erlitt er einen schlimmen Unfall, der ihn fast eine Hand gekostet hätte. Die frühere Arbeit konnte er nicht mehr verrichten, durch die Vermittlung von Wintegra kam er zu sawi. Ziel des halbjährigen Einsatzes war eine IV-Arbeitsabklärung. Er erwies sich als sehr geschickt in der mechanischen Bearbeitung von Werkstoffen. Zwar gab es bei sawi keine Stelle zu besetzen, und neue Stellen waren nicht vorgesehen. «Wir sahen aber, dass Walter Ganz dem Betrieb viel brachte und der Betrieb ihm – Einbindung ins Team, Tagesstruktur nämlich. Ok, sagten wir, Herr Ganz passt!» In Absprache mit dem Produktionsleiter, Marco Inhelder, wurde eine Stelle für Walter Ganz geschaffen, sawi stellte ihn mit einem Pensum von 50 Prozent ein, die SUVA zahlt dazu eine halbe Rente.

André Schäppi sieht sich und die anderen KMU-Unternehmer in der Verantwortung den Menschen gegenüber, die im ersten Arbeitsmarkt nur geringe Chancen haben. Er könne die Welt ja nicht verändern, aber doch den kleinen Bereich, in dem er Einfluss hat. «Unser Beispiel zeigt: Auch ein kleiner Betrieb kann integrieren, und er verliert nicht, im Gegenteil, er gewinnt.»

www.sawi.ch

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