Louis Widmer SA

«Integration verändert die ganze Kommunikation.»

Louis Widmer SA, in Schlieren bei Zürich ist ein inhabergeführter Produktionsbetrieb mit international 250 Mitarbeitenden, wovon 125 in Schlieren tätig sind. Drei von ihnen haben eine gesundheitliche Beeinträchtigung. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schätzen, dass ihr Arbeitgeber soziale Verantwortung übernimmt.

Olcay Dagdelen kam vor knapp zwei Jahren im Rahmen eines Arbeitsversuchs der IV zur Louis Widmer SA. Seit seiner Geburt hatte er eine Kiefer-Fehlbildung sowie eine Fehlfunktion der Hypophyse. Damit verbunden kämpft er mit hormonellen Problemen und deren Auswirkungen. Schon als Kind bezog er eine Invalidenrente. Nach der Anlehre als Industriepraktiker musste er sich zwei schweren Kieferoperationen unterziehen und wurde damit aus der Arbeitswelt gerissen. Schlechte Voraussetzungen für einen jungen Menschen – doch mit der Integrationsanfrage bei Louis Widmer SA verbesserten sich Olcay Dagdelens Berufsaussichten.

Cristina Tamò, die Personalverantwortliche, und der Betriebsleiter Heinz Bösch setzten den gelernten Industriepraktiker in der Konfektion ein. Anfangs arbeitete Olcay Dagdelen zu 80 Prozent, ohne jegliche Leistungsanforderungen. Einsatz und Leistung wurde dann schrittweise erhöht. Im Frühjahr 2014 erhielt er einen befristeten Arbeitsvertrag mit einem 90 Prozent Pensum. Mit der Freude an der Arbeit verbesserten sich sein allgemeiner Gesundheitszustand und seine Leistungen enorm. Fehltage blieben aus. «Ich arbeite seit Frühjahr 2014 faktisch 100 Prozent», sagt er stolz, «und beziehe keine IV-Rente mehr.» Ab 1. Januar 2015 wird er von Louis Widmer SA mit einem vollen Pensum fest angestellt. «Es war ein langer Weg bis dahin, aber ich fühlemich gut, ich kenne mich aus mit der  Arbeit, die Selbstsicherheit ist grösser geworden, und das Team ist perfekt. Man ist hier nie allein, einer hilft dem anderen, das ist wichtig.»

Solidarität in Notlagen
In einem Familienunternehmen gehe es um Sicherheit, erklärt Annemarie Widmer. «Die Familie steht mit ihrem Engagement und ihrem Geld hinter dem Unternehmen. Das gibt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Sicherheit, dass wir hinter ihnen stehen.» Zum Beispiel hinter Serafino Cutino. Er kam 2005 als Mitarbeiter des technischen Dienstes mit einem Vollpensum zu Louis Widmer S.A. Im Herbst 2006 erhielt er die Diagnose Multiple Sklerose. «Ich hatte grosse Bedenken, das das herauskommt», erzählt er. Erst 2007 informierte er seine Vorgesetzten über seine Krankheit. «Ich müsse mir keine Sorgen machen, man würde mich nicht fallen lassen, sondern für mich nach einer Lösung suchen.»

Auch Afonso De Almeida kam vor zweieinhalb Jahren durch einen IV-Arbeitsversuch zu Louis Widmer SA. Er leidet infolge eines Unfalls an Dauerschmerzen in den Schultern und kann nur zu 50 Prozent arbeiten, die IV zahlt eine Viertelrente dazu. Afonso Almeida arbeitet im Lager. 25 Jahre lang war er in verschiedenen Firmen in der Logistik tätig – in der Lagerabteilung von Louis Widmer SA ist er mit seiner Erfahrung nun ein sehr geschätzter Mitarbeiter.

Firmentreue
Manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Louis Widmer SA sind seit vielen Jahren im Betrieb. Das Gefühl, ihr Arbeitgeber übernehme soziale Verantwortung, ein Klima der Wertschätzung bindet die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an das Unternehmen. 2012 kam von der SVA Zürich zum ersten Mal eine Anfrage wegen eines Arbeitsversuchs. «Wir hatten keine Ahnung davon, aber Heinz Bösch, der Betriebsleiter, stieg sofort darauf ein, und wir sagten zu», erzählt Cristina Tamò. «Es war zu Beginn ein Experiment, nun haben wir richtig Freude daran.“ Heinz Bösch bezeichnet die Integration von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als eine Win-win-Situation, die auch teambildend wirkt. «Man muss einen etwas anderen Umgang miteinander finden, das wirkt sich im Team aus.»  Cristina Tamò, seit vielen Jahren im HR-Bereich tätig, spürt bei der Louis Widmer SA, «dass soziales Engagement und Offenheit das Klima prägen. Wenn ich sehe, wie sich Menschen mit einem Handicap in einem Arbeitsversuch entwickeln, motiviert mich das, weiterzumachen.»

www.louis-widmer.ch

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