Kern Studer AG

«Wir machten das, und es ging gut.»

Die Kern Stu­der AG leis­tet seit vier Jah­ren Inte­gra­tionsarbeit. Zwei ange­lernte Metall­bauer, Manuel Bod­mer und Mar­tin Jörg, beide leicht geis­tig behin­dert, arbei­ten im Lager und in der Werk­statt der Firma. Die bei­den jun­gen Mit­ar­bei­ter wer­den durch je einen Götti betreut. Sie sind Ansprech­per­so­nen der bei­den behin­der­ten Kol­le­gen in jeder Situa­tion. Die Kern Stu­der AG beschäftigt auch zwei Mit­ar­bei­ter, die durch Unfall und Krank­heit während ihrer Anstel­lung behin­dert wur­den.

Tore sind eines der wichtigsten Geschäftsfelder der Kern Studer AG. Sie produzieren und montieren Tore in allen Grössen und Formen, Gittertore, Blech- und Stahltore, Garagentore, Industrietore, Haupteingangstore grosser Bauten.  Manuel Bodmer, 24, ist im Lager von Kern Studer AG dabei, ein Gittertor zu montieren. Den Platz für das Schloss hat er aus dem Gitter ausgeschnitten, das Schloss ist montiert. Manuel Bodmer muss auch die Gitterstäbe richten, wenn sie mal verkrümmt angeliefert werden. «Bei Wohnbauten, speziell bei neuen Häusern, wollen die Kunden keine verbogenen Gitter sehen, die wollen schöne Sachen haben.»

In der Werkstatt, ein Stockwerk tiefer, treffen wir Martin Jörg, 22. Wie sein Kollege Manuel Bodmer arbeitet auch er weitgehend selbständig. «Gemäldeschiebeanlagen kann ich grösstenteils ohne Unterstützung machen», erklärt er. Ab und zu geht Martin Jörg auch auf Montage. «Es ist einmal eine Abwechslung“, sagt er, «aber zu häufig muss es nicht sein.»

Einen sozialen Beitrag leisten
Manuel Bodmer arbeitet seit viereinhalb Jahren im Betrieb, Martin Jörg seit zweieinhalb Jahren. Sie sind beide geistig leicht behindert. In der Stiftung Bühl haben sie eine Anlehre als Metallbauer absolviert. Da die Kern Studer AG in ihren Anfängen ein Lager in der Au, nahe der Stiftung betrieb, wandte sich der Leiter der Metallwerkstatt, Herbert Bosshart, an Urs Studer, ob er nicht einen seiner Auszubildenden in ein Praktikum nehmen könnte. «Wir machten das, und es ging gut. Später kam der Neubau hier in Samstagern, aus Kostengründen führten wir viele Arbeiten in Eigenregie aus, vor allem im Innenausbau, und brauchten zusätzliches Personal – also stellten wir Leute von der Stiftung Bühl ein, temporär.» Auf diese Weise kam die Belegschaft der Kern Studer AG mit Kollegen in Kontakt, die nicht in allem der gängigen Norm entsprachen.

«In unserem Betrieb haben wir keine grossen Möglichkeiten, Leute auszubilden», erläutert Urs Studer. «Für Metallbauer haben wir einen zu einfachen Maschinenpark. «Dafür gibt es im Betrieb in Samstagern ziemlich viel einfache Arbeit, Abänderungen, Anpassungen, Einräumen, Ausräumen, Ware rüsten. «Hier können wir Leute brauchen, für die einfache Arbeit angemessen und richtig ist. Wir wollen damit unseren sozialen Beitrag leisten, den wir bei der Ausbildung nicht erfüllen können.» Als Ersten stellte die Kern Studer AG Manuel Bodmer an. Urs Studer besprach seine Absicht vorgängig mit der Belegschaft. Das Team stellte sich voll und ganz hinter den Plan des Chefs. «Unsere Mitarbeiter fanden – und finden – es gut, dass wir uns sozial engagieren.»

Anrufe am Feierabend
Dass Manuel Bodmer und Martin Jörg im Betrieb so gut integriert sind, hat nicht zuletzt mit ihren Göttis zu tun. Sepp Schuler, Lagermitarbeiter, sagt, er sei in die Betreuung von Manuel Bodmer «hinein gerutscht». «Wir hatten von Anfang an einen guten Draht zueinander, es ergab sich einfach.» Der Götti instruiert Manuel Bodmer bei neuen Produkten, er erteilt Aufträge, kontrolliert die Arbeit – «aber nur punktuell, Manuel ist ziemlich selbständig». Im Lauf der Jahre hat sich ein enges Verhältnis entwickelt, Sepp Schuler ist Ansprechperson in allen Lebenslagen.

Fabian Bärtschi, Mitarbeiter in der Werkstatt, wurde Martin Jörgs Götti, weil Urs Studer ihn anfragte. «Ich sagte zu, weil ich Verantwortung übernehmen wollte.» Als Götti ist Fabian Bärtschi Ansprechperson in allen Situationen – fachlichen, menschlichen, bei Unstimmigkeiten und Alltagskonflikten. «Die Integration im Team ist sehr gut. Martin und Manuel sind wirklich aufgenommen und werden als Mitarbeiter gesehen, nicht als schwächere Personen.

Integration heisst zur Unabhängigkeit führen
«Wir integrieren Manuel Bodmer und Marin Jörg so gut wie nur möglich, aber wir versuchen auch, sie weiterzubringen. Die beiden werden ihr Leben lang Hilfsarbeiter sein. Wenn sie einmal die Stelle wechseln wollen, müssen wir dem neuen Arbeitgeber sagen können, was ihre Qualifikationen sind, was sie wirklich können und auch erfüllen.» Integration heisst für Urs Studer, die Mitarbeiter so weit wie möglich unabhängig zu machen.

Soziales Engagement wird in der Kern Studer AG mit Selbstverständlichkeit gelebt. Ein Mitarbeiter in der Administration, der an MS erkrankte, wird bei abnehmender Leistungsfähigkeit so lange weiter beschäftigt, wie er noch kann, unterstützt von seinem Kollegen. Urs Studer hat ihm einen Ruheraum eingerichtet und schaffte für ihn einen besonderen Drucker und Scanner an, den er auch mit dem Rollator bedienen kann. Ein anderer Mitarbeiter leistet in der Werkstatt, bedingt durch einen Unfall, ein 50-Prozent-Pensum. Als Schmerzpatient schafft er nur unregelmässige Tagespensen, manchmal arbeitet er lieber am Samstag nach, als sich während der Woche zu sehr zu fordern. Urs Studer hat in der Privatwirtschaft Vorträge zum Thema Integration gehalten, es ist ihm daran gelegen, den Gedanken zu verbreiten und er will ihn auch im Gewerbeverein fördern. «Einfache Arbeit, mit denen Menschen mit einer Behinderung in die Arbeitswelt und in ein Team integriert werden können, gibt es in manchem Betrieb», sagt er. Man müsse sie nur sehen.

www.kern-studer.ch

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