Elektro Hertig

«Wir leben unser Engagement.»

Bei Elek­tro Her­tig arbei­ten seit 26 Jah­ren Mit­ar­bei­ter mit körperlicher oder psy­chi­scher Behin­de­rung in der Buch­hal­tung, im Ver­kauf und in der Aus­lie­fe­rung und Mon­tage. Ruedi Her­tig und seine Frau Mag­da­lena set­zen sich auch pri­vat für ihre Mit­ar­bei­ter ein. Sie beto­nen den Grund­satz, dass erst Arbeit bezie­hungs­weise durch Arbeit erwor­be­nes Ein­kom­men dem Men­schen Würde ver­leiht.

Integration hat bei Elektro Hertig eine lange Tradition und viele Facetten. Seit 26 Jahren ist Rolf S. die gesamte Buchhaltung zuständig. Er ist gelernter Bankkaufmann; mit 22 erkrankte er an einem Virus und verlor innert dreier Monate vollständig das Gehör und das Augenlicht. «Die totale Abhängigkeit», erinnert er sich, «war das Verrückteste am Taub- und Blindsein.» Dank einer Operation gewann er nach zwei Jahren auf einem Auge einen Teil seiner Sehkraft wieder zurück. 1987 lernte er Ruedi Hertig kennen und bekam bei ihm die Stelle in der Buchhaltung. «Anfangs kommunizierten wir mithilfe der Lormen-Sprache», erzählt Rolf S., «das Handalphabet für blinde oder taubblinde Menschen». Ruedi und Magdalena Hertig lernten die Sprache und stellten sich den Schwierigkeiten dieser umständlichen Kommunikation. In den folgenden Jahren bekam Rolf S. für beide Ohren Hörimplantate und gewann so viel Hörvermögen zurück, dass er sich nun bis zu einem gewissen Grad verständigen kann. Er arbeitet mit einem flexiblen Teilzeitpensum von 40 bis 50 Prozent und bezieht eine IV-Rente von 70 Prozent.

Lehrlinge mit Lehrabschluss

Ruedi Hertig stellte bereits ein Jahr nach der Firmengründung den ersten Lehrling an, Christian Sch. «Später», erzählt Magdalena Hertig, «nahmen wir einen Lehrling mit einem Oberschulabschluss auf. Er war schulisch schwach, aber fleissig und zuverlässig». Dank der Förderung durch den Chef schaffte er es, die Lehre als Elektromonteur abzuschliessen. Insgesamt hat Ruedi Hertig zwölf Lehrlinge ausgebildet, darunter auch schulisch schwache Schulabgängerinnen und Schulabgänger. Der erste Lehrling von Elektro Hertig, Christian Sch., arbeitet seit über 30 Jahren als Allrounder in der Firma. Vor sechs Jahren erlitt er ein schweres Burn-out. Kaum hatte er den Weg aus der Krise gefunden, verunfallte er schwer mit dem Velo. Er brach sich einen Halswirbel. Nach zuerst völliger Lähmung gewann er aber die Kontrolle über Arme und Beine zurück. Feinmotorisch beeinträchtigt, von Dauerschmerzen geplagt, arbeitet er nun wieder mit einem Pensum von 80 Prozent. «Es liegt mir am Herzen, dass er nicht wieder in sein altes Muster der Selbstüberforderung zurückfällt», sagt Ruedi Hertig.

Engagement für alle

Peter G., seit zwei Jahren bei Elektro Hertig, zog sich beim Abladen von 50 Kilogramm schweren Sonnenschirmständern aus Beton eine so schwere Schulterverletzung zu, dass er bis heute den rechten Arm nicht mehr gebrauchen kann. Er erhielt eine IV-Teilrente, doch die Arbeitslosigkeit bedrückte ihn. Von Depressionen geplagt wandte er sich schliesslich an seinen Feuerwehr-Kameraden Ruedi Hertig – und wurde sogleich für den Verkauf und die Administration eingestellt.

Der Elektromonteur Remo B. bezog wegen einer psychischen Erkrankung während 13 Jahren eine IV-Rente von 100 Prozent. Vermittelt durch eine geschützte Werkstatt, kam er als temporärer Mitarbeiter zu Elektro Hertig. Ein Jahr später, 2012, konnte er hier eine Vollzeitstelle antreten und bezieht seither keine IV-Rente mehr.

Woher stammt das soziale Engagement von Ruedi und Magdalena Hertig? «Mein Mann hat ein Herz, das für Benachteiligte und Schwache schlägt», sagt Magdalena Hertig. «Vielleicht kommt es daher, dass er mit einer behinderten Schwester aufgewachsen ist. Das hat ihm die Liebe zu benachteiligten Menschen gegeben. Er sieht in den Menschen nicht zuerst die Behinderung, sondern das Potential, und das zu fördern steht für ihn zuvorderst.»

Ruedi Hertig sagt, seine erste Motivation komme aus der Überzeugung, Menschen unabhängig von Status und Bildung würdevoll zu behandeln. Ihm ist an einer Win-win-Situation gelegen. «Ich bin kein sozialer Wohltäter. Meine Mitarbeiter sollen wissen: Sie sind Leistungsträger; sie verdienen hier gut, und ich verdiene an ihnen.» Leistung und Gegenleistung, Menschen auf Augenhöhe.

elektrohertig.ch  

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