RRRevolve Trading Lanz

Vom Marketing für Luxusuhren zum Vertreiber für nachhaltige Mode – die berufliche Karriere von Sebastian Lanz wirkt kontrastreich. «Ich konnte mich nie richtig mit der Luxusbranche identifizieren und habe davon geträumt, etwas Sinnvolles zu machen», erzählt er. 2010 setzte Lanz seinen Traum in die Tat um und gründete den Onlineshop RRRevolve. Das Portal ist auf nachhaltige Mode und Produkte spezialisiert. Die drei ‚R‘ stehen für reduce, reuse und recycle – reduzieren, wiederverwenden und wiederverwerten.

«Etwas Sinnvolles» wollte Sebastian Lanz auch bei der Rekrutierung von Mitarbeitenden tun. Nachdem er seinen Shop einige Jahre lang allein geführt hatte, stellte er als erste Mitarbeiterin eine IV-Bezügerin ein. Inzwischen gehört die Integration von Mitarbeitenden mit Krankheit oder Behinderung längst zum Alltag. Bisher hatte das Unternehmen sieben Mitarbeitende mit Handicap. Derzeit sind es zwei der insgesamt 14 Angestellten.

Dank harter Arbeit und der gestiegenen Nachfrage nach nachhaltigen Produkten floriert das Geschäft. Neben dem Onlineshop gehören zu RRRevolve inzwischen auch zwei Shops in Zürich. Der eine, im Niederdorf, bietet Mode. Der andere, an der Josefstrasse, bietet ein breites Sortiment an Gebrauchsgegenständen – von der Zahnbürste, über Schmuck bis zu Trinkflaschen und Lunchboxen. Nur bestimmte Artikel aus dem Onlineshop werden für die Läden ausgewählt, erklärt Lanz, die Ausstellungsfläche soll ja nicht vollgestopft wirken. So wird der Shop in der Josefstrasse schon bald durch einen grösseren ersetzt. Im entstehenden Zollhaus der Genossenschaft Kalkbreite wird man künftig auf einer Fläche von über 230 Quadratmetern einkaufen können.

Im Shop sind nur ausgewählte Produkte Sortiments verfügbar.
Im Shop sind nur ausgewählte Produkte Sortiments verfügbar.

Ein Betrieb ohne starre Rollen

«Entscheidend für eine erfolgreiche Integration ist, dass der Arbeitnehmer einen guten Job machen will. Man merkt relativ schnell, ob das der Fall ist», sagt Lanz. Bei Arbeitsversuchen beobachtet er, wie es den Mitarbeitenden mit Einschränkungen geht und greift auch mal ein: «Wir sind ein sehr kleines Team, und ich spüre, wenn es bei jemandem nicht läuft.» In einem solchen Fall könne er die Aufgaben anders verteilen. In seinem Betrieb gebe es keine starren Rollen, weshalb das «ohne grossen Aufwand möglich ist.» Dass die Stellenbeschriebe bei RRRevolve flexibel sind, kam auch einer Mitarbeiterin zugute, die zum Unternehmen stiess, als es ihr psychisch nicht gut ging. Sie liebte es, in der Logistik zu arbeiten. Doch mit ihren knapp 1,50 Metern Körpergrösse war es für sie kaum möglich, schwere Lasten zu tragen. Das Gefühl, nicht mehr im vertrauten Job bleiben zu können, warf sie aus der Bahn. Ein Burnout folgte. Die Aussicht, dass es aber auch Lager gibt ohne grosse und wuchtige Waren, liess sie aufleben. Die Stelle bei RRRevolve war wie für sie geschaffen. «Sie wollte gleich voll einsteigen. Ihre Eingliederungsfachperson der SVA Zürich und ich haben sie erst mal etwas gebremst. Wir wollten ihr lieber Zeit gegeben und das Pensum nach und nach erhöhen», sagt Lanz.

Sebastian Lanz geht ins Lager im Keller seines Büros und schaut kurz zu, wie seine Logistik-Mitarbeitenden Bestellungen aus dem Onlineshop verpacken. Schwere Kisten gibt es im RRRevolve-Lager kaum zu transportieren, die Alltagsprodukte und Kleider, die das Unternehmen verkauft, sind eher leicht. Und wenn doch einmal ein schwereres Teil dabei ist, springt jemand vom Team ein, damit die zierliche Logistik-Mitarbeiterin nicht zu schwer tragen muss. «Überhaupt kein Problem», kommentiert Lanz, «wir sind alle flexibel». Die Mitarbeiterin ist inzwischen fest in der Logistik angestellt. Sie ist ein wichtiger Bestandteil des Teams geworden. «Für mich ist es schön zu sehen, dass sie von einer verunsicherten Person zu einer selbstsicheren und proaktiven Mitarbeiterin geworden ist.»

Die erste richtige Festanstellung

Der Unternehmer ist überzeugt, dass es die Pflicht von Arbeitgebern ist, Menschen mit Handicap eine Chance zu geben. «Es gibt Menschen, die ohne jegliche Schuld in eine Situation geraten, in der sie auf dem freien Arbeitsmarkt Mühe haben. Diese Leute kann man doch nicht einfach fallen lassen.» Lanz denkt da an einen bestimmten Mitarbeiter: Dessen Odyssee durch die Arbeitswelt begann bereits als Jugendlicher. Er machte eine Büro-Anlehre und hangelte sich danach von Temporärstelle zu Temporärstelle. Mit 30 Jahren hatte er noch nie eine feste Anstellung.

«Er war ein sehr ruhiger und zurückgezogener Mensch, was man ihm zusätzlich angekreidet hat», erzählt Lanz. RRRevolve stellte den Mitarbeiter probeweise für ein Praktikum in der Administration an. Lanz, der mit dem Mitarbeiter das Büro teilt, achtete darauf, dass dieser sich langsam in den Betrieb einfinden konnte. In schwierigen Phasen gab er ihm vertraute Aufgaben, die der Mitarbeiter routiniert erledigen konnte. Schliesslich wurde aus dem Praktikum die erste Festanstellung seiner beruflichen Karriere. Lanz hat beobachtet: «Er ist regelrecht aufgeblüht und hat sich super ins Team integriert.»

Bestellungen im Online-Shop werden durch das Lager von RRRevolve in Zürich verschickt.
Bestellungen im Online-Shop werden durch das Lager von RRRevolve in Zürich verschickt.

Loyale und engagierte Mitarbeitende gewonnen

Bei der Arbeitsintegration arbeitet RRRevolve mit den Stiftungen IPT und Arbeitsintegration Stellennetz zusammen. Lanz ist es gewohnt, selbst Lösungen zu finden. Er hat sich aber vorgenommen, mehr Möglichkeiten von offiziellen Stellen zu nutzen und dadurch sein Unternehmen und sich selbst zu entlasten. «Kürzlich hat uns ein Eingliederungsberater der SVA Zürich Mittel vorgestellt, die wir nutzen können, wie zum Beispiel die Früherfassung oder die Arbeitgeber-Hotline für Auskünfte. Wir kannten diese Möglichkeiten bisher gar nicht.»

Sebastian Lanz empfiehlt aus vollem Herzen, Mitarbeitende mit Handicap einzustellen. «Wir haben dadurch zwei sehr gute Mitarbeitende gewonnen. Was sie besonders auszeichnet, ist ihre Loyalität. Sie schätzen es sehr, dass sie gebraucht werden und ein wichtiger Teil des Teams sind.» Der RRRevolve-Geschäftsführer schaut sich zufrieden im Laden um und ergänzt: «Es sind schöne Geschichten, die man dabei erlebt. Man kann beobachten, wie sich jemand entfaltet.»

www.rrrevolve.ch

Mitarbeitende: 16

Neueinstellungen: 3 

2019: Eine Logistik-Mitarbeiterin möchte nach einem Burnout wieder in der Logistik arbeiten. Nach einem Praktikum wird sie zu 80 Prozent festangestellt.

2019: Ein Büro-Angestellter hat mit 30 Jahren noch nie eine Festanstellung gehabt. Nach einem Praktikum wird er zu 100 Prozent festangestellt.


2019: Eine Mitarbeiterin mit psychischen Problemen und ein Mitarbeiter mit Bandscheibenvorfall.

RRRevolve hat bisher sieben Mitarbeitende mit psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen beschäftigt. Das Unternehmen ist offen für Arbeitsversuche und wenn es auf beiden Seiten stimmt, auch dafür, weitere Mitarbeitende mit Handicap einzustellen. Im Unternehmen wird eine Kultur der Nachhaltigkeit und Fairness gelebt – gegenüber der Umwelt und den Mitarbeitenden.

Nomination 2021

Nominieren Sie Arbeitgeber für den This-Priis 2021 bis Freitag, 30. Oktober 2020.

Frühere Preisträger

Liuma AG (2019)
IKEA AG (2018)
Acer Computer (Switzerland) AG
2006 - 2016