Federnfabrik Schmid AG

Triebfeder der sozialen Verantwortung
Daniel Hänsli und Daniela Breuss von Federnfabrik Schmid AG sind überzeugt: Jedes KMU kann Menschen mit Handicap integrieren - man muss nur wollen.
Daniel Hänsli und Daniela Breuss von Federnfabrik Schmid AG sind überzeugt: Jedes KMU kann Menschen mit Handicap integrieren - man muss nur wollen.

Wenn George Clooney genüsslich an seiner dampfenden Tasse nippt, dann haben sie ihren Dienst getan. Wenn es im Türschloss «klick» macht oder die Turbine im Kraftwerk Strom produziert, dann sind sie noch im Einsatz: Stahlfedern tun fast überall ungesehen ihren Dienst. In Oetwil am See findet man sie in allen Formen und Grössen: Hier stellt die Federnfabrik Schmid AG jedes Jahr rund 3500 verschiedene Federn oder federnde Elemente her – vom Einzelstück bis hin zur Serienproduktion. Die kleinsten sind kaum einen Millimeter gross und mit blossem Auge kaum als Federn zu erkennen. Die grössten sind gut einen halben Meter hoch.

«Man muss nur wollen»

Die Federnfabrik Schmid ist mit ihren 65 Mitarbeitenden ein typisches KMU. Genau das ist es auch, was den Betrieb für die Eingliederung prädestiniert. «Als KMU hat man immer eine Möglichkeit, auch Personen mit einem Handicap zu integrieren. Man muss es nur wollen», sagt Produktionsleiter Daniel Hänsli. Die Federnfabrik will. Als 2017 die Anfrage kam, war der Betrieb gerne bereit, einen jungen Mann mit Hörbehinderung einzustellen.

Der 26-Jährige machte damals seine Lehre als Produktionsmechaniker in einem geschützten Umfeld. Die Federnfabrik ermöglichte den Wechsel in den ersten Arbeitsmarkt. Hier konnte der junge Mann nicht nur seine Ausbildung beenden, sondern anschliessend auch in einer Festanstellung durchstarten. «Es sind wenige Details, die man beachten muss: Zum Beispiel, dass man sich im Gespräch immer gegenübersteht, so dass er von den Lippen lesen kann», sagt Daniel Hänsli. Mit ein wenig Rücksichtnahme konnte sich der junge Mann schnell ins Team integrieren.

Eindrucksvolle Maschinen: Die Federn aus der Federnfabrik Schmid AG stecken unter anderem in Kaffeemaschinen, Türschlössern und Turbinen.
Eindrucksvolle Maschinen: Die Federn aus der Federnfabrik Schmid AG stecken unter anderem in Kaffeemaschinen, Türschlössern und Turbinen.

«Eine Bereicherung für alle»

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit der Eingliederung war die Federnfabrik für eine weitere Anfrage offen. Ein 19-Jähriger mit psychischer Erkrankung suchte den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt. «Wir wussten nicht, ob das bei uns klappen würde. Aber einen Versuch war es wert. Als KMU haben wir auch eine soziale Verantwortung», sagt Daniel Hänsli. In einem sechsmonatigen Arbeitsversuch hat sich der junge Mann mit Unterstützung eines Job Coaches langsam an die Arbeit in der Produktion herangetastet. Diese Zeit war sehr wertvoll – für beide Seiten.

Schritt für Schritt integriert

«Die grosse Frage war für uns nicht, ob er die Arbeit machen kann, sondern ob er in diesem Umfeld zurechtkommt», sagt HR-Verantwortliche Daniela Breuss. 65 Personen arbeiten in der Federnfabrik, die meisten von ihnen in der Produktion. Das Stampfen und Surren der Maschinen sorgt für einen konstant hohen Lärmpegel. Und wenn es hektisch wird, kann es auch zwischenmenschlich mal laut werden.

«Wir haben ein super Team, in dem man sich gegenseitig respektiert. Aber im Eifer des Gefechts kann der Umgangston in einer Produktion auch mal ruppig werden», sagt Daniel Hänsli. Gleichzeitig lebt die buntgemischte, multikulturelle Truppe Akzeptanz und Toleranz: Den 19-Jährigen haben die Kolleginnen und Kollegen sofort gut aufgenommen. «Anfangs war er noch sehr zurückgezogen. Er geht nicht von sich aus auf die Leute zu. Die Kolleginnen und Kollegen aber haben ihn immer wieder angesprochen und so konnte er sich langsam öffnen. Es ist toll, diese Entwicklung zu beobachten», sagt Daniela Breuss.

Jeder Handgriff sitzt.
Jeder Handgriff sitzt.

Pensum an Situation angepasst

Auch die Arbeit entwickelte sich gut. Mechanisches Verständnis und Geschick waren von Anfang an da. Nur die Routine fehlte – mit Geduld und Verständnis auf beiden Seiten kein Problem. «Er hat etwas mehr Zeit gebraucht, um Sicherheit und Selbstvertrauen zu finden. Aber er hat schnell verstanden, worum es geht», sagt Daniel Hänsli. Schwierig war anfangs das Pensum: 100 Prozent waren zu viel. Der 19-Jährige wurde schnell müde, fühlte sich überfordert. Dank einer Anpassung des Arbeitspensums auf 80 Prozent an fünf Arbeitstagen bleibt dem Mitarbeiter nun genug Zeit für die Regeneration. Das Fazit des Produktionschefs: «Nun läuft alles wunderbar.» Der junge Mann kann selbständig arbeiten und leistet einen wertvollen Beitrag.

«Wir alle sind wertvoll»

Für den Betrieb sehen Daniel Hänsli und Daniela Breuss nur Vorteile durch die Eingliederungen. «Die Mitarbeitenden spüren, dass sie unterstützt werden, und wenden sich auch eher an uns, wenn sie ein Problem haben», erklärt die HR-Verantwortliche. Für den Produktionsleiter ist der soziale Aspekt besonders wertvoll: «Die Eingliederung fordert eine Firma und einen persönlich, weil sie vor Augen führt, dass wir nicht alle gleich sind. Es tut jedem gut, sich damit zu beschäftigen. Wir alle sind wertvoll und haben einen Platz verdient, an dem wir geschätzt werden.»

www.federnfabrikschmid.com

Anzahl Mitarbeitende: 65

Anzahl Neueinstellungen: 2

2017: Ein 26-Jähriger mit Hörbehinderung erhält nach Abschluss der Lehre in geschütztem Rahmen eine reguläre Festanstellung in der Produktion.

2018: Ein 19-Jähriger mit psychischen Einschränkungen erhält nach einem Arbeitsversuch mit Unterstützung der IV-Stelle eine Festanstellung als

Hilfskraft in der Produktion. Sein Pensum wird auf 80 Prozent angepasst, da die Belastung bei 100 Prozent zu hoch ist.

Sonstiges

Die Federnfabrik Schmid AG arbeitet regelmässig mit dem benachbarten Schlössli, einer Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, zusammen: Menschen mit psychischen Erkrankungen können sich in der Federnfabrik wieder an die Arbeitswelt herantasten.

Die weiteren Preisträger