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Der Briefträgertraum von ThisKurz nach seinem 40. Geburtstag hat es meinem Bruder Mathias, den wir This nennen, ausgehängt. Er wollte nicht mehr in der «geschützten Werkstatt» arbeiten und nicht mehr im Heim wohnen. Er wollte eine richtige Arbeit. Er bewarb sich telefonisch bei der Hauptpost, den SBB und im Café zum Silbernen Winkel. Zu einem Vorstellungsgespräch kam es nie. Seit Geburt lebt This mit einer cerebralen Lähmung und einer starken Sehbehinderung, die ihm das Leben schwer machen. Doch er hat ein ausserordentlich feines Gehör und ist ein sehr geselliger Mensch. Zusammen gingen wir in Oberstammheim in den Kindergarten, später fuhr er jeden Tag mit dem Zug nach Winterthur in eine Sonderschule. Nach der Schule wollte er Briefträger werden, das war sein Traum. Vielleicht wuchs dieser Traum in ihm, als er die Rechnungen unseres Vaters im Dorf austragen durfte. Unser Vater war Landarzt und förderte die Selbständigkeit von This. Mit grossen Buchstaben schrieb er die Namen seiner Patienten auf die Couverts und sagte zu This: «Die vierzig Rappen Porto pro Brief kannst du verdienen, wenn du diese Rechnungen verteilst.» Nicht nur um ganz sicher zu gehen, läutete This bei den Patienten. Ein kurzer Schwatz, etwas Süsses oder ein kleines Trinkgeld, der Rechnungs-Austräger war immer willkommen.
Statt in der Werkstatt Nägel durch Kartonrondellen zu schlagen, schält This lieber Rüebli für das Mittagsmenu.
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