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«Wir lassen uns nicht durch die Augen ablenken», erklärt ihr Kollege Salvatore Bondesan, «wir müssen ausschliesslich mit den Händen arbeiten». Und diese Hände sehen mehr: Wo Muskeln verspannt sind. oder wo eine falsche Körperhaltung zu Schmerzen führt. Ursprünglich arbeitete Bondesan als Kundenmaler, doch als eine Netzhautdegeneration sein Augenlicht trübte, musste er sich eine andere Arbeit suchen. Am Institut für Komplementärmedizin und Psychologie in Therwil machte er eine Ausbildung zum medizinischen Masseur, «ein idealer Beruf für mich in meiner Situation.» Die Initiative zur Gründung der Praxis kam vom Verein Punktacht. Der Verein unterstützt den behindertenbedingten Mehraufwand bei der Schaffung von Arbeitsplätzen und sucht zusammen mit Betroffenen nach zukunftsweisenden Ideen. Die Vereinspräsidentin Anita Häni bringt es auf den Punkt: «In einer Praxis für medizinische Massage können sehbehinderte Fachleute ihre Vorteile maximal nutzen. Sie haben meistens einen überdurchschnittlich guten Tastsinn und entwickeln entsprechend ihre anderen Wahrnehmungssinne.» Sechs Sehbehinderte arbeiten Teilzeit in der Praxis «Sehende Hände», neben Kaiser und Bondesan auch Sacha Buser, Rahel Calisti, Sonya Gülünaj und Silvana Patitucci. Die administrative Leitung liegt in den Händen der sehenden Susanne Schmid. Sie war ursprünglich Betriebsdis ponentin bei der SBB und bildete sich ebenfalls als Masseurin weiter. «Viele Kunden kommen anfangs aus Neugier, ob die sehenden Hände anders massieren», erzählt sie. Und, gibt es einen Unterschied? «Die Mehrheit der Kunden kommt wieder», sagt sie nur und lacht. Das erste Ziel sei, eine gute Qualität anzubieten. Die Idee der sehenden Hände könnte auch in anderen Städten umgesetzt werden. Sie hat grosses Potenzial, da sie zur Integration von sehbehinderten und blinden Menschen beiträgt. Martin Widmer, im Januar 2009 |