Das Para­ple­giker­zen­trum, damals noch in Basel, habe sie und ihren Archi­tek­ten in allen Berei­chen bes­tens bera­ten. Die dazu­gehörige Stif­tung habe unbürokratisch und schnell bei der Finan­zie­rung Hand gebo­ten, um auch gleich eine roll­stuhl­ge­rechte Wohn­ge­le­gen­heit im dama­li­gen Roh­bau zu erstel­len.

Waf­fen­schmidts beschäftigen 25 bis 30 Mit­ar­bei­tende, seit 27 Jah­ren ununter­brochen zwei oder drei mit einem Handi­kap. Heute arbei­ten sogar vier Handika­pierte im Betrieb. Sonja Wyss bedient aus dem Roll­stuhl die Kun­den im Gar­tencen­ter oder sitzt hin­ter der Kasse, die auf ihre Höhe ein­ge­stellt wer­den kann. Eigent­lich wollte sie Con­fi­seu­rin wer­den und hatte den Lehr­ver­trag schon in der Tasche. Doch dann fiel die Bau­ern­toch­ter bei der Kir­sche­nernte vom Baum und war im un­tern Körperteil beid­sei­tig gelähmt. Nach einem hal­ben Jahr Reha­bi­li­ta­tion konnte sie eine Lehre als CAD-Hoch­bau­zeich­ne­rin antre­ten, doch das war nicht ihr Ding, ständig hin­ter dem Bild­schirm zu sit­zen. Sie absol­vierte die Lehre, doch nach dem Abschluss suchte sie etwas, das sie, die Bau­ern­toch­ter, mehr erfüllte. Sie wurde auf die Gärtnerei Waf­fen­schmidt aufmerk­sam gemacht, bewarb sich und erhielt eine Lehr­stelle als Zierpflanzengärtnerin. Im Som­mer 2007 schloss sie die Lehre er­folgreich ab, seit­her ist sie voll bei Waffen­schmidt ange­stellt und bezieht eine Teil-IV-Rente. Mit ihrer offe­nen und fröhlichen Art liegt ihr die Bera­tung von Kun­den bei der Wahl von Blu­men und Sträuchern. Auch «Umtopfen» an spe­zi­ell für sie ein­gerichteten Tischen mache sie gerne. «Schwere Töpfe kann ich jedoch nicht herumtragen», sagt sie und lacht.

Neben Sonja Wyss arbei­ten auch Bruno Röthlisberger und Mar­kus Meier im Betrieb mit. Beide wur­den bei einem Auto­un­fall so schwer ver­letzt, dass sie ihre bis­he­ri­gen Berufe nicht mehr wei­ter ausüben konn­ten. Röthlisberger arbei­tet im Gar­ten-Cen­ter. Wenn ihm manch­mal der Schnauf aus­gehe, dann könne er sich ein­fach hin­set­zen, da hätten die ande­ren Mitar­beiter Verständnis. Und wenn er etwas sturm im Kopf sei, dann könne er aus­spannen. Um seine Konzentrationsfähig­keit zu ver­bes­sern, sei er in den Schiess­verein ein­ge­tre­ten. Denn: «Zielen und dann abdrücken, das ist eine gute Übung.» Mar­kus Meier fehlt seit sei­nem schwe­ren Auto­un­fall ein­fach die Luft. Er spricht leise und arbei­tet, wenn immer er genug Kraft hat, im Büro oder im Gewächshaus. Er ge­staltet am Com­pu­ter Ver­kaufs­pla­kate, macht Botengänge oder bewässert die Pflan­zen. Mit sei­ner 100-Pro­zent-IV-Rente müsste er nicht arbei­ten und bekäme auch einen Platz in einer geschützten Werkstätte. Doch er wollte zu Waffen­schmidt zurück, wo er Anfang der 1980er-Jahre seine Gärtnerlehre absol­viert hatte. Die Ent­wick­lung vom Sähen bis zum Blü­hen mit­ver­fol­gen zu können, das beru­hige und ani­miere ihn gleich­zei­tig.

Die Ruhe in Per­son ist Han­spe­ter Cometta. Seit 1984 arbei­tet er im Betriebs­teil Engros-Gärtnerei und kennt alle Abläufe in­und aus­wen­dig. Früher habe er in der Maggi-Fabrik in Kempt­thal gear­bei­tet, doch als seine Abtei­lung geschlos­sen wor­den sei, habe er nir­gends mehr eine Arbeit gefun­den. Von der Gemeinde habe man ihn zu Waf­fen­schmidt geschickt, der habe sicher Arbeit für ihn. Cometta ist 60 Jahre alt, ein paar Jahre älter als der Chef. Er weiss, dass er bis zu sei­ner Pensionie­rung blei­ben kann. Auch dank dem Bet­riebsleiter Ben­ja­min Ael­lig, heute sein bes­ter Freund.

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