R+B engineering ag, Brugg/Sargans/Zürich

«Bereit, etwas zu bewegen»

Wie die R+B engineering ag vier Handikapierte in ihren Betrieb integriert und welche Rolle die Einstellung spielt.

Ste­ven Jacob ist Tetra­ple­gi­ker, gelähmt, an bei­den Bei­nen und Armen. Er arbei­tet als Elek­tro­zeich­ner bei der Firma R+B engi­nee­ring ag in Brugg. Er sitzt im Roll­stuhl an sei­nem Arbeits­platz vor zwei Bild­schir­men und zeich­net die Ver­le­gung aller Rohre für Strom und Tele­kom­mu­ni­ka­tion bei einer Schulhaussanie­rung ein. Mit der rech­ten Hand bewegt er die Maus sei­nes Com­pu­ters, eine ange­passte Maus, spe­zi­ell für ihn kon­stru­iert. Mit der lin­ken Hand, an der eine Man­schette mit einer Tipp­hilfe befes­tigt ist, bedient er drei extra grosse, externe Maustas­ten. Mit die­ser Tipp­hilfe, wel­che die Funk­tion sei­ner Fin­ger ersetzt, könne er auch die Tas­ta­tur bedie­nen und schrei­ben, doch das gehe eher lang­sam, meint er.

«Wir sind einer der ers­ten Elek­tro­pla­nungs-Betriebe, die einen Tetra­ple­gi­ker als Elektro­zeichner inte­griert haben», sagt Hans Jörg Rütsche, Gründer und dama­li­ger Geschäfts­leiter der Firma. Fast ein Jahr habe es gedau­ert, bis die IV und die ande­ren staat­li­chen Stel­len alle Anpas­sun­gen am Arbeits­platz bewil­ligt hätten und die Finan­zie­rung erfolgt sei, das sei ein lan­ger Kampf gewe­sen. «Ein Com­pu­ter war damals noch kein selbstver­ständliches Arbeits­in­stru­ment, son­dern wurde offi­zi­ell als <Hilfs­mit­tel> taxiert», lächelt Rütsche heute. Wo sind die Gren­zen einer sol­chen Inte­gra­tion? «Eine Grenze setzt nur die eigene Motivation», erklärt Rütsche.

«Wer mit sei­ner Situa­tion nicht fer­tig wird und in Selbst­mit­leid ver­sinkt, dem können wir auch nicht hel­fen.» Tech­ni­sche Gren­zen gebe es keine, höchstens, wenn je­mand noch nie auf dem Bau gear­bei­tet habe, dann fehle ihm diese Erfah­rung. Jacob bringt sie mit, und auch die nötige Ein­stel­lung. Die Moti­va­tion bei Rütsche, sich für die Inte­gra­tion von Handikapier­ten ein­zu­set­zen, ist die­je­nige eines Unter­nehmers: «Wir sind immer offen für Ver­änderungen und bereit, etwas zu bewe­gen.» Rütsches Part­ner, Hans Bla­ser, kann das nur bestätigen. Vor einem hal­ben Jahr hat sich Astrid Stutz per Tele­fon bei ihm be­worben, als Tele­fo­nis­tin. Sie sei seit Ge­burt stark seh­be­hin­dert, jedoch fle­xi­bel. Bla­ser fragte, ob sie am Nach­mit­tag gleich vor­be­kom­men könne. Sie kam, und er war überzeugt, für den Frei­tag, an dem seine Sekretärin frei hatte, eine Telefon­istin gefun­den zu haben. Und schon am nächsten Tag fand er in sei­ner Nieder­lassung für sie einen wei­te­ren Job als Tele­fo­nis­tin während zweier Tage pro Wo­che. Astrid Stutz arbei­tet am Mon­tag, Mit­twoch und Frei­tag bei R+B engi­nee­ring, die Tage dazwi­schen braucht sie, damit sich ihre Augen erho­len können. Astrid Stutz hätte gerne eine KV-Lehre gemacht, doch das kam nicht in Frage. Sie arbei­tete im Haus­halt, füllte in einem Laden Regale auf, machte für ein Café die Wäsche und putzte die Küche, doch das hat sie alles nicht ausgefüllt.

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