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Am Morgen leert er die Abfallkübel im ganzen Haus. Um halb zwölf und um halb fünf Uhr bringt er die Pakete mit dem Veloanhänger auf die Post, «bei jedem Wetter», wie Tobias Steiner betont. Dazwischen hilft er beim Einpacken, macht einfache Montagearbeiten oder arbeitet beim Aussortieren in der Kontrollabteilung mit. Für den Montagechef Wiederkehr ist es kein Problem, jeden Tag eine ganze Reihe von Hilfsarbeiten für Tobias Steiner bereit zu machen oder seine anderen Mitarbeiter zu motivieren, solche nicht selbst zu machen. «Wir machen zuviel Hilfsarbeiten selbst», fasst Wiederkehr das Problem zusammen, wenn gesagt wird, es gebe keine sinnvollen Arbeiten für Handikapierte. «Wir tanken das Auto selbst, waschen es selbst oder viele Firmen lassen ihre Pakete von einem Delivery-Service spedieren», zählt er nur drei Beispiele auf. Und wie viel Tobias Steiner am Postamt gelegen ist, das sieht Wiederkehr täglich. «Das zu erleben tut gut und hält einem auf dem Boden», sagt er trocken. Der Umgang mit Handikapierten ist eine Form von Weiterbildung, davon sind die beiden Geschäftsführer und Inhaber, Peter Strebel und Werner Rützler, überzeugt. «Das gehört zum Job, damit muss heute jeder umgehen können», sagt Strebel, «im Betriebsalltag und auch ausserhalb.» Und so bucht er einen Teil seines Betreuungsaufwands unter dem Konto «Weiterbildung» ab, wenigstens im Kopf. Das Preisgeld, das allen Mitarbeitern zugute kommen soll, die sich bei der Integration engagieren, nutzen Strebel und Rützler als Startkapital. Sie gründen eine Ausflugskommission, die Anregungen aller Mitarbeiter für einen jährlichen Betriebsausflug entgegennehmen und Ausfahrten «mit möglichst wertvollem Inhalt» organisieren soll. Das Kapital dieser Kommission wird die Geschäftsleitung jährlich und nach Bedarf aufstocken. Das ist für Strebel und Rützler ein weiterer Schritt zur Stärkung des Teams, zu dem sie alle 46 Angestellten ihres Betriebes zählen. Für die Teambildung brauchen sie keine externen Experten, das lösen die beiden Firmengründer ganz pragmatisch. Und so pragmatisch hängt für sie alles zusammen: die Integration Handikapierter im Arbeitsalltag, eine hohe Sozialkompetenz aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, eine ständig steigende Produktivität und letztlich das Engagement jeder und jedes Einzelnen. Martin Widmer, im Januar 2007 |