Und so haben die bei­den Firmen­gründer Dario ken­nen gelernt. Und 1987 ein­ge­stellt. Warum? Peter Stre­bel: «Ich kann es heute nicht mehr genau sagen, wir hat­ten ein­fach ein gutes Gefühl.» Bei rund zehn Ange­stell­ten hätten sie damals einen Handi­kapierten gut mit­tra­gen können. Heute sind im Betrieb 46 Ange­stellte, davon drei Handi­kapierte. «Das Verhältnis 1:15 ist ideal», sagt Stre­bel kurz und bündig. Lie­ber erzählt Stre­bel über seine Pro­duk­tion, Präzisionsteile für die Druck­und Luft­fahrt­in­dus­trie sowie für die Medizinal­und Ana­ly­se­tech­nik. Als Bei­spiel zeigt er mir eine Operationshülse für Chir­ur­gen, die in einer der CNC-Maschi­nen in 120'000 Arbeits­schrit­ten her­ge­stellt wird, von Robo­ter­ar­men trans­por­tiert, von Com­pu­tern gesteu­ert. Und er erklärt, wie die Roh­stoff­preise stei­gen und die Preise für seine Präzisionsprodukte sin­ken. Um wirt­schaft­lich zu überleben, muss er die Produktivität ständig stei­gern können, einer­seits mit hoch moti­vier­ten Mitarbei­tern und Mit­ar­bei­te­rin­nen, ande­rer­seits mit noch moder­ne­ren Maschi­nen, die rund um die Uhr lau­fen und noch mehr Arbeits­abläufe in einem Durch­gang erle­di­gen können.

Gehen da nicht die Hand­ar­beit und ein­fache Hilfs­ar­bei­ten für Han­di­ka­pierte lang­sam aber sicher ver­lo­ren? «Einfache Hand­ar­beit ist zwar rückläufig, wird es aber immer geben», ant­wor­tet Stre­bel und führt mich in die Montage­und Kon­troll­ab­tei­lung.

Dort wer­den kleine Serien von Hand mon­tiert, und dort arbei­tet Debo­rah Kathri­ner mit einer 100-Pro­zent-Anstel­lung, mit einer Teil­rente der IV. Flink wie ein Wie­sel setzt Debo­rah Kathri­ner Teile für einen so genann­ten «Magnetrührer» zusam­men, mit dem che­mi­sche Sub­stan­zen gemischt wer­den.

Mit ihren fei­nen Fin­gern lötet sie die Kon­takte an, befes­tigt die Spu­len und schraubt nach vie­len wei­te­ren Arbeits­gängen das kleine Misch­werk zusam­men. Wenn ich etwas frage, ant­wor­tet sie ganz leise, ihre Augen jedoch strah­len. Debo­rah spre­che immer so leise und am liebs­ten gar nicht, sagt André Wie­der­kehr, der Lei­ter der Montage­und Kon­troll­ab­tei­lung. Ein­set­zen könne er sie überall, und es gebe jede Menge zu mon­tie­ren und zu kon­trol­lie­ren.

André Wie­der­kehr hat Erfah­run­gen mit psy­chi­schen Han­di­kaps und spricht von sei­ner eige­nen Betroffen­heit. Regelmässig und über Jahre habe er einen sei­ner Kol­le­gen in einer psychiatri­schen Kli­nik besucht, des­sen sozia­len Abstieg Schritt für Schritt mit­er­lebt und was es heisse, im bes­ten Alter als Bezüger einer gan­zen IV-Rente vom Arbeits­le­ben aus­ge­schlos­sen zu wer­den. Viel­leicht sei das auch eine der Moti­va­tio­nen, sich für die Inte­gra­tion an sei­nem Arbeits­platz ein­zu­set­zen. Gene­rell möchte er den Schwächeren der Gesell­schaft unter die Arme grei­fen, wenn sie in unse­rer Leis­tungsgesellschaft nicht mehr mit­hal­ten könnten. Und so ver­su­che er, die Arbeit für alle seine Mit­ar­bei­ter nach ihren Fähigkeiten zu ver­tei­len. Han­di­ka­pierte brauch­ten zusätzlich ein­fach mehr Zeit. Tobias Stei­ner, der dritte Han­di­ka­pierte in der Firma SRM, ist einer von denen, die mehr Zeit brau­chen. Er hat einen fes­ten Fahr­plan, und das kommt ihm ent­ge­gen.

wei­ter