hosberg AG, Bio Eierhandel, in Rüti (ZH)

Am laufenden Band

Wie die hosberg AG und das Team in der Sortierhalle zwei Handikapierte integrieren.

«Es muss möglich sein», sagt Alfred Rein­hard, «dass neben dem Ren­di­te­den­ken auch noch andere Gedan­ken Platz haben.» Rein­hard strebt eine Balance zwi­schen ratio­nel­lem Wirt­schaf­ten und sozia­ler Ver­ant­wor­tung an. Vor zwei Jah­ren suchte er einen Mol­ke­rist. Gemel­det hat sich auch Michael Buch­mann, 23-jährig, der gerne Mol­ke­rist gewor­den wäre. Seit Geburt ist er han­di­ka­piert, erhält eine IV-Rente und kann dem Druck im nor­ma­len Arbeits­markt nicht stand­hal­ten. Rein­hard hat ihn ein­ge­stellt und seit­dem ist die Sor­tier­halle der hos­berg AG sein Arbeits­platz und ein zen­tra­ler Ort in sei­nem Leben.

100'000 bis 180'000 Bio-Eier lau­fen täglich über die Förderbänder in Rüti, wo die hos­berg AG rund 65 Pro­zent der Bio-Eier-Pro­duk­tion der Schweiz sor­tiert, ver­packt und an Migros, Coop und wei­tere nam­hafte Geschäfte lie­fert. Ange­fan­gen hat Rein­hard am 24. Januar 1997, als er die erste Lie­fe­rung mit sei­nem Pri­vat­auto an die Migros Genos­sen­schaft in Zürich aus­lie­ferte. Das war an sei­nem 40. Geburts­tag, und er war offen­bar genau zum rich­ti­gen Zeit­punkt mit dem rich­ti­gen Pro­dukt auf dem Markt auf­ge­tre­ten.

Als Bio-Land­wirt hatte er zusam­men mit sei­ner Frau Milch­wirt­schaft betrie­ben, Bee­ren und Gemüseangebaut und dane­ben Hühner gehal­ten. Doch allein mit der Pro­duk­tion kam er auf kei­nen grünen Zweig. Im Ver­trieb von Bio-Pro­duk­ten sah er eine Chance und spe­zi­ell im Ver­trieb von Bio-Eiern. Damals waren sie in den Rega­len der Gross­ver­tei­ler noch kaum zu fin­den, heute beträgt der Markt­an­teil der Bio-Eier über 12 Pro­zent der ver­kauf­ten Kon­sum-Eier. Die meis­ten hat die hos­berg AG ein­ge­sam­melt und ver­teilt. Sie ver­treibt nur ein Pro­dukt, jedoch in diver­sen For­men: zum grössten Teil als Frischei, dann gekocht und gefärbt, pas­teu­ri­siert als Eiweiss für die Bio-Meringue-Pro­duk­tion, als Eigelb für Bio-Mayon­naise und Salatsau­cen, als Vol­lei für Bio-Teig­wa­ren und wo immer Bio-Eier in Restau­rants und der Fabri­ka­tion von Lebens­mit­teln ver­wen­det wer­den.

Michael Buch­mann arbei­tet an ver­schie­de­nen Sta­tio­nen in der Sor­tier­halle: bei der Auf­le­ge­ma­schine am Anfang des Förderbandes oder am Ende des Ban­des beim Ein­pa­cken. «An die­sen fünf par­al­le­len Bändern geht alles hopp-hopp-hopp», sagt Buch­mann, «da komme ich nicht immer mit.» Am liebs­ten arbei­tet er an der Ban­de­ro­lier­ma­schine, wel­che die Eier­schach­teln für diverse Kun­den mit einer indi­vi­du­el­len Ban­de­role ausrüstet. An die­ser Maschine arbei­ten nur zwei, und Buch­mann kann das Tempo sel­ber ein­stel­len. Wenn er nicht mit­kommt, kann er auch mal abstel­len. «Und wenn mich alles nervt, schickt mich Meh­met, der Pro­duk­ti­ons­lei­ter, auf eine Runde ums Haus.»

www.hosberg.ch

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