Einen Arbeits­platz fand er nach der Lehre jedoch nicht und kam daher in die Stif­tung Brühlgut in Win­ter­thur. Dort arbei­tete er in der Rei­ni­gung, was körperlich sehr anstreng­end war und ihm keine Zukunft bot. Mit Hilfe der Wie­der­ein­glie­de­rungs­mass­nah­men des Brühlguts und der IV fand er vor zwei Jah­ren die Stelle bei der ABC in Diet­li­kon. Nach einer drei­mo­na­ti­gen Leistungsbe­urteilung wurde in Zusam­men­ar­beit mit der IV das Salär fest­ge­legt und Schwei­zer braucht nur noch eine Teil-IV-Rente. Er arbei­tet 100 Pro­zent und hat mitt­ler­weile die Funk­tion eines Vor­ar­bei­ters für die bei­ den ande­ren Han­di­ka­pier­ten.

Jeweils zwei Tage die Woche sind auch David Del Priore und Chris­tian Thal­mann in der Firma ABC, die ande­ren Tage arbei­ten sie in der geschützten Werk­statt des Brühlguts. Wenn Not am Mann ist und die Zeit wegen hohen Stückzahlen drängt, kom­men sie auch an wei­te­ren Tagen. Preis­schil­der, Metz­ger­plat­ten und andere Gegenstände aus Ple­xi­glas wer­den ge­formt, Kan­ten geschnit­ten, geschlif­fen, poliert und nach der Pro­duk­tion gerei­nigt und ver­packt. Schwei­zer, Del Priore und Thal­mann wech­seln sich bei den ver­schiedenen Arbeitsgängen ab, damit die Arbeit abwechs­lungs­reich bleibt; die nötige Arbeits­vor­be­rei­tung macht der Chef, Gründer und Allein­in­ha­ber der ABC Kunst­ stoff-Tech­nik GmbH, Ger­not Wil­fried Moser. Der in Wien auf­ge­wach­sene Kunst­stoff-Tech­ni­ker baut die Maschi­nen für seine Zwe­cke um, ver­han­delt mit den Kun­den, ent­wi­ckelt Pro­dukte und sucht immer wie­der nach neuen Lösungen.

«Was zuvor ein Ange­stell­ter gemacht hat, habe ich auf drei Han­di­ka­pierte ver­teilt und setze diese je nach Bega­bung ein», erklärt Moser sein Sys­tem. Del Priore und Thal­mann sind bei der Brühlgutstiftung ange­stellt und wer­den Moser nach geleis­teten Stun­den von der Stif­tung verrech­net. So ist ein fle­xibles und kostengünsti­ges Arbeits­mo­dell ent­stan­den. Die Zu­sammenarbeit mit Han­di­ka­pier­ten ist für Moser immer wie­der eine Herausforde­rung, lässt ihn aber persönlich wach­sen. «Manchmal habe ich das Gefühl, an die Grenze des Mach­ba­ren gelangt zu sein», sagt er. «Aber die Gren­zen ver­schie­ben sich, ich erkenne immer wie­der neue Mö­glichkeiten und sehe, wie die Leute über sich hin­aus­wach­sen. Gren­zen, wie viel Han­di­ka­pierte er beschäftigen könne, biete nur das Arbeits­vo­lu­men, und das wachse ständig, so Moser. Die Übergänge zwisch­en sozia­lem Enga­ge­ment und Führung des Betriebs sind für den 42-jährigen Klein­un­ter­neh­mer flies­send. Nach dem Motto «Nimm Dir Zeit...» ver­folgt er er­folgreich sei­nen eige­nen Weg. «Für mich ist das eine Art Berufung», sagt Moser, «und ich fühle mich wohl dabei.»

Mar­tin Wid­mer, im Januar 2009