Grosse und kleine Freu­den, grosse und kleine Sor­gen — Irene Die­ner ist nichts fremd. Auch weil sie durch ihre Kleinwüchsigkeit ständig unter Rückenweh und Schmer­zen in den Knien lei­det. Sie könnte eine IV-Rente bean­tragen, doch sie will arbei­ten und ist jeden Mor­gen froh, dass sie auf­ste­hen und im Haus Tabea auf ihren Bürostuhl stei­gen kann. Froh ist auch Urs Ban­ger­ter, der Lei­ter vom Haus Tabea, um seine «Vorzimmerdame», wie er sie manch­mal nennt. Urs Ban­ger­ter will ein inte­grie­ren­des Haus führen, in dem alte Men­schen ihren Lebens­abend ver­brin­gen können, bis zum letz­ten Atem­zug. Er bie­tet im Haus Tabea alles an, dass dies auch möglich ist. «7000 Lebens­jahre ver­sam­meln sich im Speisesaal», sagt er, «das ganze 20. Jahr­hun­dert lässt sich hier abbil­den, ver­tre­ten durch Frauen und Männer aus allen möglichen Berufsspar­ten, sozia­len Schich­ten und Erfahrung­en.» Sorgfältig hält er die Lebensgeschich­ten in klei­nen Geschich­ten fest. Integra­tion auf allen Ebe­nen, unter den rund 85 Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­nern wie auch unter den 70 Mit­ar­bei­ten­den, das ist Ban­gerters Ideal, das er anstrebt. Daher hat er auch drei Men­schen in sei­nem Betrieb ange­stellt, die eine Teil-IV-Rente bezie­hen.

Roland Zel­ler hat als Speng­ler auf dem Bau gear­bei­tet und dort ein Team von zwölf Leu­ten geführt. Die Erkran­kung an Mul­tipler Skle­rose hat ihm die Weiterführ­ung die­ser Arbeit verunmöglicht, er be­zieht eine Teil­rente. An zwei Tagen pro Woche unterstützt er den Haus­wart Ruedi Wernli und ist dafür zu 40 Pro­zent als «Mann für alles» im Haus Tabea ange­stellt. 

Ein vol­ler Job kommt für ihn nicht mehr in Frage, den gan­zen Tag zu Hause zu sit­zen kann sich Roland Zel­ler jedoch auch nicht vor­stel­len. Etwas dazwi­schen zu fin­den, sei äusserst schwie­rig gewe­sen. Haus­wart Wernli weiss, wel­che Arbei­ten er abge­ben kann und wel­che er sel­ber ma­chen muss, um den Überblick im Betrieb zu behal­ten. 

Ein Haus­wart hat feste Rou­ti­nen, und Ruedi Wernli ist seit über 25 Jah­ren Haus­wart im Haus Tabea. Doch fest­ge­fah­ren ist er nicht. «Welche Qualitäten muss ein Haus­wart haben, um Han­di­ka­pierte in den täglichen Arbeits­ab­lauf zu integrieren», frage ich ihn. Er steckt beide Hände in sei­nen blauen Arbeits­man­tel und zögert mit der Ant­wort. Dann schmun­zelt er: «Ich bin sprung­haft im bes­ten Sinn des Wor­tes.» In einem Dienst­leis­tungs­be­trieb, und ein sol­cher sei ein Alters­heim, müsse man spon­tan blei­ben. Die Mischung von Rou­tine und Spontaneität scheint eines der Geheim­nisse zu sein, um Handikapier­te im Arbeit­sall­tag eines Betriebs integrie­ren zu können. Kann Mar­got Näf, die Lei­terin der Haus­wirt­schaft dies bestätigen? «Wenn ich Men­schen führe, sol­che mit oder ohne so genann­tes Han­di­kap, muss ich spon­tan rea­gie­ren können.» Und Rou­tine? Rou­tine als Arbei­ten, das zur Ge­wohnheit gewor­den sei und jedes Engage­ment ver­mis­sen lasse, das könne sie nicht brau­chen, dafür würden die Bewoh­ner und Bewoh­ne­rin­nen des Alters­heims nicht bezah­len, so Mar­got Näf. Rou­tine dage­gen, ver­stan­den als sorgfältiges Arbei­ten, sei die Qualität, die in einem Alters­heim ge­fragt sei.

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